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Der Güntzclub soll geschlossen werden

Avatar of AndyWe AndyWe - 11.04.1999 - Der Güntzclub

Hoffnung bis zum Abpfiff

von Rico Tscharntke / Sächsische Zeitung, April 1999

Im düsteren Raum wabert Zigarettenqualm, die wackeligen Holztische sind mit Bierflaschen zugestellt. Vierzig Leute haben sich im Güntzclub getroffen, um Fußball zu schauen. Ein ganz normaler Abend.

Die Sorgenfalten, die Stefan Botzky im Gesicht hat, haben nichts mit dem 1:0 Rückstand der Bayern zu tun. Er ist Mitglied im Güntzclub. Aber das Studentenwerk hat den Mietvertrag gekündigt. Ende Juni ist Schluß, denn das Haus soll verkauft werden. „Zuviele leere Zimmer und kein Geld zur Renovierung”, bedauert Stefan achselzuckend. Mit leuchtenden Augen erzählt er von den großen Zeiten des Klubs: „Zu Fasching geht es hier immer hoch her.” Bei einem Rosenstolz-Konzert drängten sich die Leute so dicht, das selbst die Treppe im Vorraum voll besetzt war, erinnert er sich.
Die Schließung schwächt das Angebot an alternativer Kultur auf der altstädter Elbseite weiter. „Erst wir und dann der Bärenzwinger”, so Stefan. Deshalb unterstützt das Studentenwerk die Suche nach neuen Räumen. „Allerdings können wir im Moment nicht mehr als den leerstehenden Hemmschuh auf der Budapester Straße anbieten”, meint Hannelore Webel, die verantwortliche Betreuerin. Doch diese Räume sind zu klein, meinen die Leute vom Klub. Konzerte könnten dann nicht mehr stattfinden. Das Studentenwerk wolle trotzdem weiter bei der Suche helfen, so Webel. Erstmal hoffen die 35 Klubmitglieder, daß sie die Räume noch eine Weile betreiben können. „Wir machen weiter, so lange es geht” sagt Stefan Botzky, „Ich denke, Silvester 2000 feiern wir hier, dann mal sehen.”

Dirk Geisler, nach eigenem Bekunden eher Inventar als nur Stammgast, ist pessimistisch. „Selbst wenn es andere Räume gäbe, es wäre nicht mehr der Güntz.” Dabei schlägt er mit der Faust auf den 20 Jahre alten Tisch. Auch andere Gäste bedauern die Schließung. Mark Mönchgesang, Mieter im Haus obendrüber, versteht, daß die Zimmer nicht mehr vermietet werden: „Die Hygiene ist grauenhaft.” Er wird in eine eigene Wohnung ziehen. Aber um den Klub tut es ihm leid.

Besuchern wie Mitgliedern bleibt nur die Hoffnung. Aber manchmal ist das Leben ja wie Fußball. Die Bayern lagen zwölf Minuten vor Schluß mit zwei Toren hinten. Beim Abpfiff stand es dann 3:3.

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